Protokoll des Vortrags zum Bienensterben

Frau Dr. Miriam Stock stellte sich als Biologin mit dem Forschungsschwerpunkt des Artensterbens der Bienen vor.

Die Honigbiene und die Wildbienen sind die wichtigsten Insekten in unseren Gärten. Seit Jahren sind die Populationen der Honigbienen und der Wildbienen jedoch einem starken Bienensterben ausgesetzt.

Die Honigbiene ist aus dem Leben der Menschen nicht wegzudenken, jedoch ist der Bestand der Bienen seit Jahren in Gefahr. Seit einiger Zeit kommt es periodisch und flächendeckend zu einem bedrohlichen Rückgang von Bienenvölkern. Im Winter 2005 gab es in den USA ein mysteriöses Massensterben, dem rund 80 Prozent aller Bienen zum Opfer fielen. Auch in Deutschland waren in den vergangenen 10 bis 15 Jahren signifikante Rückgänge bei Bienenvölkern zu beobachten.

Grafik: http://www.bee-careful.com/de/initiative/warum-sind-bienen-so-wichtig/ 

Die Ursache bei den Imkern in USA ist mit Sicherheit die Art der Haltung und die mit der großen Anzahl der Völker eine schnell zu erwartende Inzucht.
Um die riesigen Plantagen zu bestäuben, werden auf 20 t Lastern hunderte von Bienenvölkern in die Felder gestellt. Durch die Nähe der einzelnen Völker ist es ein Leichtes für die Vermehrung von Schädlingen und der Ansteckung der anderen Völker. Durch die einseitige Ernährung wird das Immunsystem der Bienen geschwächt.  Auch die Inzucht schwächt das Immunsystem.

Die nebenstehende Grafik zeigt sehr deutlich den Rückgang der Bienenvölker in Deutschland.

Gab es 1950 über 2,5 Mio. Völker sind es in 2010 nur noch 0,6 Mio

Grafk: https://bienesuchtbluete.files.wordpress.com/2014/11/anzahl-bienenvoelker_141205.jpg

Eine alleinige Ursache für den Rückgang der Bienenvölker konnte noch nicht ausgemacht werden – es gibt noch viel Arbeit für die Forschung.

Bei den Wildbienen sieht die Situation noch schlimmer aus. Da sich der Imker bei Erkrankungen um die Gesundheit der Bienen kümmern kann, stehen die Wildbienen alleine da.

Mit dem Bienensterben kommt es auch zu einem Einbruch der Ernten.
Hier ein Schaubild:
http://www.bee-careful.com/site_media/uploads/warum-sind-bienen-wichtig.png

Neben Kuh und Schein ist die Biene das 3. wichtigste Nutztier in der Landwirtschaft.

Grafik: http://www.bee-careful.com/site_media/uploads/bienen-sind-wichtg-2.png

 Was bei aller Information über das Bienensterben meist nicht gesagt wird ist noch weit ärger. Es handelt sich um eine Verknappung des Saatgutes. Damit wir Karotten säen können bedarf es der Befruchtung der Karottenblüte, um Samen zu gewinnen.

Was sind nun die Ursachen des Bienensterbens?

Es scheint sich um 3 wesentliche Problemfelder zu handeln.

Varroamilbe 

In der Regel kommt ein gesundes Bienenvolk mit den meisten Krankheiten zurecht. Die Varroamilbe jedoch befällt die Bienen und kann sie stark schwächen. Der winzige Parasit vermehrt sich auf der Brut, ernährt sich vom Blut der Bienen und überträgt über die Bisswunden weitere Krankheitserreger, sodass sich besonders gefährliche Viren-Varianten verbreiten und viele Völker schnell auslöschen.

Um einer Inzucht vorzubeugen benötigt es frisches Blut. Durch Einfuhr von weit entfernten Ländern erhoffte man sich einer Inzucht erfolgreich entgegen zu treten. Leider waren die Bienen in Indonesien mit dieser Varroamilbe infiziert. Heute ist nur noch Australien von der Varroamilbe verschont.

Unterernährung und Fehlernährung

Der zunehmende Aufbau von Monokulturen und die Reduktion von landwirtschaftlichen Flächen vermindert die Vielfalt des Nahrungsangebots für Bienen. Wie auch wir Menschen brauchen Bienen eine vielseitige Ernährung – das macht sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten.

Der Einsatz von Pestiziden in der Agrarwirtschaft macht den Bienen ebenfalls zu schaffen. Diese Giftstoffe wirken sich nicht nur auf den Honig aus, sondern beeinflussen darüber hinaus das Nervensystem der Insekten und ihre natürliche Orientierungsfähigkeit (Beeinträchtigung der Lernfähigkeit) und können ihre Lebensdauer und Fortpflanzung beeinträchtigen.

Trachtlücken

= Lücken in der Nahrungsversorgung für die Bienen.

Oft blühen die einseitig angepflanzten Nutzpflanzen nur kurze Zeit und lassen die Bienen das restliche Jahr über Hunger leiden. Auch private „ordentliche“ grüne Gärten ohne Blumen oder nur mit Zierpflanzen bieten unseren Bienen keine Nahrung. 
Gerade die Gärten, Balkone können helfen diese Trachtlücken zu schließen. Wenn wir den Bienen entsprechendes Futter zur Verfügung stellen können die Hungerphasen geschlossen werden.

Ein Blühkalender (Trachtkalender) ist hier sehr hilfreich. Siehe hier!

Besonders die beliebten Küchenkräuter sind hier zu erwähnen und sie können selbst auf einem kleinen Balkon gut gezogen werden.

Als Daumenregel für gute Trachtpflanzen gilt:

  • viele Blüten (auch an die Korbblütler denken)
  • aromatische Blüten (à Kräuter)
  • offene Blüten

Keine Trachtpflanzen sind

  • windbestäubte Pflanzen (Gräser, Gertreide, ect.)
  • nicht einheimische Pflanzen (Magnolie, Forsythie …)
  • Schmetterlings- und Käferpfanzen wie z.B. der Holunder

Natürlich tragen, wie oben bereits beschrieben, auch die Pestizide zum Sterben der Bienen bei. Glyphosat ist in aller Munde, aber keiner denkt dabei daran, dass die Ameisen-Köderdosen und das Ameisenpulver ebenfalls die Bienen anlocken und sie töten.

Wie sollte der bienenfreundliche Garten aussehen?

  • einen Blumenwiese
  • einen Blühstreifen im Rasen
  • ein Insektenhotel (Bohrung in der Rinde, 2-8 mm groß, keine Ziegelsteine, und keine ausgefransten Schliffrohre, Zapfen.
    Damit aus dem Insektenhotel keine Insektenrestaurant wird sollte das Schutzgitter einen Abstand zu den Löchern haben, da sonst die Vögel die Tiere leicht herauspicken können.
  • Die Blühstände sollten im Herbst nicht abgeräumt werden, sondern als Unterschlupf für die Insekten bis zum Frühling verbleiben.
  • Wasserpfützen helfen besonders bei den trockenen Sommer, dass sich die Insekten laben können.

Auch sollte man die allgemeinen Regeln des Umweltschutzes beachten!

Damit endete der hervorragende Vortrag.

Wer noch mehr Informationen möchte kann sich auf der Seite
http://www.bee-careful.com
umsehen.

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Franz Seidl